Hess

Hẹss,
 
1) Germain Henri, russisch German Iwanowitsch Gẹss, russischer Chemiker schweizerischer Herkunft, * Genf 7. 8. 1802, ✝ Sankt Petersburg 30. 11. 1850; Professor an der Universität und Lehrer an der Artillerieschule Sankt Petersburg. Hess stellte 1840 das Gesetz der konstanten Wärmesummen auf (Hess-Gesetz); er gilt als einer der Begründer der Thermochemie.
 
 2) Heinrich Maria von, Maler, * Düsseldorf 19. 4. 1798, ✝ München 29. 3. 1863, Bruder von 4); lebte 1821-26 in Rom, wo er sich den Nazarenern anschloss. Ab 1827 war Hess in München Professor an der Akademie und Leiter der königlichen Anstalt für Glasmalerei. Er schuf neben Bildern mit religiösen Themen (meist Wandmalereien) auch Porträts, Landschaftsbilder sowie Entwürfe für Glasfenster (u. a. für die Dome in Regensburg und Köln).
 
 3) Moses, Schriftsteller, * Bonn 21. 6. 1812, ✝ Paris 6. 4. 1875; war Mitbegründer und mit K. Marx Redakteur der »Rheinischen Zeitung« in Köln, wirkte 1845-48 in Brüssel und Paris in deutschen kommunistischen Gruppen; Hauptvertreter des »philosophischen Sozialismus«. Hess konnte zunächst auch Marx und F. Engels beeinflussen, die sich aber noch vor 1848 von ihm trennten. Im Gegensatz zu Marx vertrat er die Meinung, die Befreiung der Menschheit werde sich aus der Rückkehr der Religionen zu ihrem gemeinsamen Ursprung ergeben. Mit seinem Werk »Rom und Jerusalem. Die letzte Nationalitätsfrage« (1862) wurde Hess ein Vorläufer des Zionismus; er forderte einen eigenen Staat für die Juden, der die Keimzelle für eine Sozialisierung und damit Befreiung der ganzen Menschheit sein werde.
 
 4) Peter Heinrich Lambert von, Maler, * Düsseldorf 29. 7. 1792, ✝ München 4. 4. 1871, Bruder von 2); nahm 1813-15 als malender Chronist im Gefolge des Fürsten Wrede an den Napoleonischen Kriegen teil. Aufenthalte im Gebirge und eine Reise nach Italien (1817/18) weckten sein Interesse an der Genre- und Landschaftsmalerei. 1833 begleitete er König Otto nach Griechenland. Erlebnisse dieser Reise schilderte er in Genrebildern und in zwei monumentalen Werken: »Einzug in Nauplia«, 1835, und »Empfang in Athen«, 1839 (beide München, Neue Pinakothek). 1839 erhielt er vom russischen Kaiser den Auftrag, den Russlandfeldzug von 1812 in einer Bildreihe darzustellen (1855 vollendet; Sankt Petersburg, Eremitage).
 
 5) Victor Franz (Francis), amerikanischer Physiker österreichischer Herkunft, * Schloss Waldstein (Steiermark) 24. 6. 1883, ✝ Mount Vernon (N. Y.) 17. 12. 1964; seit 1911 Professor in Wien am Radium-Institut, seit 1920 in Graz; 1938 emigrierte er in die USA, wo er Professor an der Fordham University in New York wurde. 1911/12 gelang es Hess, in einer Reihe von Experimenten, die er teilweise in Freiballons ausführte, die kosmische Strahlung (»hesssche Strahlung«) nachzuweisen. Die Ergebnisse wurden 1913 von W. Kolhörster bestätigt, blieben aber noch jahrelang umstritten; erst 1936 erhielt er für ihre Entdeckung den Nobelpreis für Physik (mit C. D. Anderson). Hess beschäftigte sich auch mit den biologischen Auswirkungen von Gammastrahlen.
 
 
J. Mayerhöfer: V. F. H., in: Dictionary of scientific biography, hg. v. C. C. Gillispie, Bd. 6 (Neuausg. New York 1981).
 
 6) Walter Rudolf, schweizerischer Neurophysiologe, * Frauenfeld 17. 3. 1881, ✝ Muralto (Kanton Tessin) 12. 8. 1973; 1909-12 Augenarzt in Rapperswil, ab 1917 Professor für Physiologie in Zürich; seine Forschungen über die Funktion des Nervensystems (ab 1925) waren grundlegend für die experimentelle Verhaltensforschung und erlangten darüber hinaus auch v. a. für die Hirnchirurgie und Psychopharmakologie große Bedeutung. Von Hess stammt die Methode der lokalisierten elektrischen Hirnreizung (Einführung von Reizelektroden in das Gehirn zur Untersuchung verschiedener Gehirnbezirke). Er entdeckte ferner die Bedeutung des Zwischenhirns als Organ der Steuerung beziehungsweise Koordination vegetativer Funktionen. Für diese Entdeckung erhielt er 1949 (mit A. C. Moniz) den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
 
Werke: Die Regulierung des Blutkreislaufes (1930); Beiträge zur Physiologie des Hirnstamms, 3 Bände (1932-56); Die funktionelle Organisation des vegetativen Nervensystems (1948); Das Zwischenhirn (1949); Hypothalamus und Thalamus (1956); Psychologie in biologischer Sicht (1962).

Universal-Lexikon. 2012.

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